Tinnitus
 Geräuschüberempfindlichkeit
 Schwerhörigkeit
 Hören, aber nicht verstehen- zentral-auditive Wahrnehmungsstörung
 Schwindel
Schwindel


Schwindel
Meistens reagiert gerade beim Symptom Schwindel das ganze "System" Mensch mit Körper, Seele und Geist in und mit seiner Umgebung. Sicher ist, dass sich bei einem häufigerem Schwindel oder gar Anfallsgeschehen der Schwindel nicht nur auf das Brechzentrum, die Augen und die Muskelaktivitäten auswirken kann, sondern auf das Befinden des ganzen Menschen. Schwindel-Anfälle können das bisher selbstverständlich Geglaubte gründlich durcheinanderwirbeln und rufen wohl deshalb nicht selten Todes- und Vernichtungsängste hervor.

Der gutartige Lagerungsschwindel
Typisch sind kurze Drehschwindelattacken mit spezifischen Augenzitterbewegungen (Nystagmen) nach bestimmten Kopfbewegungen, aber auch beim Bücken oder Hinlegen. Diese halten kaum länger als 30 Sekunden an. Meist vergehen nach der Lageänderung einige Sekunden, bevor der Schwindel einsetzt. Manchen wird dabei übel, einige müssen sogar erbrechen. Zwischen den Attacken kann eine leichte Gangunsicherheit bestehen. Betroffen sind überwiegend Patienten in der zweiten Lebenshälfte. Er ist in aller Regel besser therapierbar als jeder andere Schwindel, da die Ursache innerhalb weniger Minuten beseitigt werden kann. Bei dieser Teil-Störung des Gleichgewichtsorgans haben sich kleine Kalkkristalle (Otolithen) aus dem Gleichgewichtssäckchen spontan oder nach einer Kopfverletzung abgelöst. Diese Kristalle lagern sich dann bevorzugt in den nahegelegenen hinteren Bogengang ab, wo sie nicht hingehören. Bei Lagewechsel geraten sie in Bewegung, bewirken eine Reizung der Sinneszellen und vermitteln damit eine intensive Drehbewegung. Der "gutartige" Lagerungsschwindel verschwindet in der Regel, auch ohne Behandlung, nach einigen Wochen bis Monaten. Er kann jedoch nach einigen Monaten oder Jahren wiederkehren. Das Spektrum reicht von einer einzelnen kurzen Episode bis zum jahrzehntelangen Leiden. In etwa einem Drittel der Fälle geht dem "gutartigen Lagerungsschwindel" ein Schädelhirntrauma oder ein Ausfall des Gleichgewichtsorgans (Neuritis vestibularis) voraus. Die Diagnostik ist schon der Beginn der Therapie.

 

Der akute einseitige Gleichgewichtsausfall
Einmalig, schlagartig, mehrere Tage, langsame Erholung Wenn ein komplettes Gleichgewichtsorgan ausfällt, kann es aus völligem Wohlbefinden heraus schlagartig zu einem für mehrere Tage andauernden, heftigen Drehschwindel kommen. Der Schwindel ist verbunden mit Übelkeit und Erbrechen sowie Fallneigung im Sitzen und Stehen zur Seite des betroffenen Ohres. Der Kranke ist schwer beeinträchtigt. Die Betroffenen können sich nicht mehr bewegen und werden dementsprechend auch meist als Notfall ins Krankenhaus eingeliefert. Wegen des Augenzitterns entsteht für den Patienten das Gefühl, dass sich die Umwelt dreht. Im Gegensatz zum Lagerungsschwindel ist der Gleichgewichtsausfall zwar nicht durch Kopfbewegungen verursacht, dennoch verstärkt jede Kopfbewegung die Symptome. Das Schwindelgefühl und die Fallneigung klingen in der Regel innerhalb von Tagen deutlich ab, eine vollständige Ausheilung oder - wenn diese ausbleibt, eine Gewöhnung an die neuen Umstände, dauert meist über 1-2 Wochen.

Ursachen können Verletzungen oder vorübergehende Durchblutungsstörungen des Innenohres sein. Weitere Ursachen können aber auch Infektionen mit sogenannten "neurotropen" Viren sein. Dazu gehören Mumps-, Herpes Zoster-, Masern-, Influenza-, Adeno- Viren. Diese befallen, mit besonderer Vorliebe Nerven und dann eben auch den Hör und Gleichgewichtsnerv. Dabei kann auch - übergreifend - das Hörorgan betroffen sein. Dann kommen zum Schwindel ein mehr oder weniger deutlicher Hörverlust und oft auch Ohrgeräusche hinzu.

Selbst wenn ein Gleichgewichtsorgan dauerhaft beschädigt bleibt, kann das andere im Verbund mit den anderen Komponenten des Gleichgewichtssystem dessen Funktionen weitestgehend übernehmen.
Die Therapie besteht dann aus aufeinander aufbauenden Gleichgewichtsübungen
So merkt man den meisten Menschen mit nur einem Gleichgewichtsorgan ihren Schaden meistens nicht mehr an.

Der Seelische Schwindel
Auch die Seele und die damit verbundenen oder sie bedingenden Gefühle von Lust und Unlust hat ihr eigenes Gleichgewicht. Dies wird spätestens deutlich, wenn sich in Depressionen, nicht kontrollierbaren Ängsten, Zwängen und/oder psychosomatischen Erkrankungen ihr Unwohlsein oder gar ihre Vernachlässigung zeigt.
Schwindel in all seinen Bedeutungen ist hierbei ein häufiges Anzeichen dafür, daß im seelischen Gleichgewicht etwas durcheinander gekommen ist oder sehr vernachlässigt wurde. So macht der seelische Schwindel mit mindestens etwa 30% aller Schwindelformen einen beträchtlichen Anteil aus, der aber oft verkannt wird.

Sind Medikamente sinnvoll gegen Schwindel?
Sinnvoll sind schwindelunterdrückende Medikamente (Antivertiginosa) bei akuten, zeitlich begrenzten Schwindelattacken. Dies gilt für das Anfangsstadium des akuten Gleichgewichtsausfalls oder im Anfall bei der Menièreschen Erkrankung. Aber sie sollten nie länger als 1-2 Tage eingenommen werden, da sie dann wiederum den Kompensationsprozess des Gleichgewichtssystem hemmen.

Gleichgewichtsübungen
Gleichgewichtsübungen sind ein wichtiger Schritt zur Wiedergewinnung von Sicherheit in der Bewegung und der "Haltung" im weitesten Sinne. Dies gilt auch für "seelische" Schwindelzustände! Geachtet werden soll dabei auf die Körperwahrnehmung und die Schulung insbesondere der Körpereigenfühler und der Augen.

Literatur
Schaaf, H.:
Gleichgewicht und Schwindel der Seele, 2. Auflage
Profil-Verlag München, 2004, 92 S., 15,00 €
Schaaf, H. :
Morbus Menière – Ein psychosomatischer Leitfaden, 4. Auflage
Springer-Verlag Berlin/Heidelberg, 2004, 222 S., 29,95 €